aus einem Bericht & Diskussionspapier der Revolutionären Aktion Stuttgart

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Fazit der Demonstration (und ein bisschen mehr)

Die Mobilisierung Zehntausender gegen die Abwälzung der Krise auf die Klasse der Lohnabhängigen und für eine Alternative zum Kapitalismus war ein Schritt in die richtige Richtung. Es gilt weiterhin die kämpferischen AktivistInnen in den Gewerkschaften, die linken und fortschrittlichen Kräfte und die verschiedenen Basisinitiativen bei ihren Aktivitäten zu unterstützen. Neben symbolischen Aktivitäten wie Kundgebungen und Demonstrationen, müssen insbesondere Streikaktionen und Betriebsbesetzungen unterstützt und mitorganisiert werden. Die objektiven Verhältnisse sprechen sicher für eine Zunahme dieser Kampfformen.

Bei all dem ist eine Zusammenarbeit der unterschiedlichen klassenkämpferischen und fortschrittlichen Strömungen und Organisierungen, die offen für eine solidarische Zusammenarbeit sind, anzustreben.

Die verschiedenen Aktivitäten sind sowohl die Grundlage für die Entwicklung von Bewusstsein über die eigene Stärke der Lohnabhängigen und ihrer konfrontativen Stellung dem Kapital gegenüber, als auch für die richtige Theorie und Praxis der revolutionären Kräfte. Beides und die notwendige tendenzielle Aufhebung der Grenze zwischen den subjektiven revolutionären Kräften und der Masse der Lohnabhängigen ist ohne eine gemeinsame Praxis und darin der Schaffung von Strukturen nicht möglich.

Mit der Krise des Kapitalismus nimmt die Unzufriedenheit breiter Teile derjenigen zu, die von diesem System nun nicht mehr nur entfremdete Arbeitsverhältnisse, sondern dazu Armut und einen weiter sinkenden Lebensstandard erwarten können. Neben der stetigen Gefahr einer reaktionären Mobilmachung, bringt die sich verändernde Situation auch neue Möglichkeiten für die Perspektive einer befreiten Gesellschaftsordnung hervor. Hierfür ist maßgeblich die Verfasstheit der revolutionären Kräfte von Bedeutung. Opportunistisches „in den Massen schwimmen“ und anbiedern in der Hoffnung damit umso mehr Menschen zu erreichen, sind dabei kaum dienlich. Das Abkapseln in vermeintlich besonders radikale Grüppchen oder auch Bündnisse, sowie die Isolierung in eine linke Szene ebensowenig. Dogmatismus und Versuche frühere Organisationsformen etwa in Form der KPD zu kopieren bringen ebensowenig wie das Infragestellen der grundätzlichen Notwendigkeit des Aufbaus einer revolutionären Organisation. Aktionismus und eine nur auf Kampagnen angelegte politische Praxis nutzen ähnlich wenig wie theoretische Luftschlösser und das Beschränken auf die Artikulation von Kritik – auch zusammen hilft all das nicht weiter. …

Was einen revolutionären Prozess tatsächlich voran bringt ist jedoch nicht allzuschwer zu erkennen, wenngleich die Umsetzung nicht unbedingt einfach ist: Neben Strukturen in verschiedenen Bereichen – vom Kampf gegen die Gefahr von Rechts, über linke und selbstverwaltete Freiräume und klassenkämpferische Strukturen innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften bis zum Schutz vor staatlicher Repression – gilt es auch revolutionäre politische Organisierungen aufzubauen. Hier müssen die Erfahrungen aus den einzelnen Bereichen zusammenfließen und weiterentwickelt werden, muss Schritt für Schritt eine Gegenmacht zu den Institutionen der herrschenden Klasse entwickelt, an den von uns und vor uns gemachten Erfahrungen angeknüpft, die Entwicklung an der Praxis überprüft und immer wieder korrigiert werden.

Bei alldem ist die konkrete politische Praxis, wie auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Strömungen wichtig – Erkenntnisse kommen nicht in erster Linie aus Büchern, sondern aus Versuchen, Auseinandersetzungen und dem kontinuierlichen eigenen Handeln. Dort wo nicht von anderen gelernt werden kann, bringt die Kritik an ihren Ansätzen weiter.

Die Proteste und Kämpfe gegen die Angriffe von Staat und Kapital und für eine Perspektive jenseits des Kapitalismus werden – wie schon mehrfach ausgeführt – für einen revolutionären Prozess letztlich eine zentrale Rolle spielen. Umso wichtiger ist es, hierfür die richtige Methode zu entwickeln. Das heißt nicht zuletzt: Auseindersetzungen und Debatten mit kritikwürdigen Ansätzen, Überprüfung der eigenen Aktivitäten, Austausch und Planungen mit den Kräften mit denen eine Zusammenarbeit sinnvoll erscheint…

[Kurzfristig verfasst von einigen aus der Revolutionären Aktion Stuttgart am 30. März 2009]





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